Liquid Democracy

Liquid Democracy

Ein Begriff mit dem die Wenigsten heute schon etwas anfangen können, könnte in nicht ganz ferner Zukunft unsere Demokratie verändern. Der Begriff „Liquid Democracy“ – flüssige Demokratie – bezeichnet eine Mischform aus repräsentativer und direkter Demokratie. Wobei die Übersetzung “flüssig” eigentlich nicht wirklich treffend ist, wie unser Autor Carlo vonLynX in diesem Beitrag (Link) ausführt.

Liquid Democracy ist eine Form der gemeinsamen Entscheidungsfindung im Rahmen eines direktdemokratischen Systems, welches um repräsentative Elemente ergänzt wurde. Das Konzept ermöglicht es jedem Beteiligten an einer Wahl oder Abstimmung, entweder seine Stimme persönlich abzugeben (Element der direkten Demokratie) oder seine Stimme von jemand anderem abgeben zu lassen (ähnlich der repräsentativen Demokratie).

In anderen Zusammenhängen wird auch von “Delegated Voting” gesprochen, also dem Delegieren der Stimme, was den Vorgang beschreibt, um den es im Wesentlichen geht.

Die Entscheidungsfindung geschieht auf dem Wege des Konsensierens mit Hilfe einer Software. Interessenten, die aus welchen Gründen auch immer sich nicht selbst beteiligen wollen oder können, dürfen ihre Stimme an eine Person ihres Vertrauens übertragen, solange sie sich gut vertreten fühlen. Sie “wählen” also auch ihren Vertreter und delegieren ihre Stimme wie bisher. Jedoch können sie entgegen jetziger Regelung in der repräsentativen Demokratie ihre Stimme jederzeit zurückholen und je nach Entscheidung an verschiedene Vertreter vergeben, je nachdem, wie sie deren Kompetenzen in dem bestimmten Bereichen beurteilen.

Den Befürwortern von Liquid Democracy geht es um nicht weniger, als die Entscheidungsstrukturen im Allgemeinen und den Parlamentarismus im Besonderen zu verändern. Ziel ist, die demokratische Teilhabe zu erhöhen, also möglichst viele Menschen am politischen Prozess zu beteiligen – ohne sie zu überfordern oder das Land den Populisten zu überlassen. Gelingt dies, so die Hoffnung, werde die Politikverdrossenheit sinken und sich Entscheidungen wieder vermehrt an den Interessen der Bürger orientieren. Das zielt u.a. auch auf die Beeinflussung der Politik durch Lobbyismus, der man durch Liquid Democracy gezielt entgegenwirken möchte.

Die bekannteste Software um Entscheidungen mit einer “flüssigen” Demokratie im großen Rahmen durchführen zu können ist LiquidFeedback (LQFB).

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